Wir bleiben erstmal in den USA und ziehen um

Wir sind mittlerweile über vier Jahre in den USA. Das bedeutet, dass wir nur noch bis Ende September auf unserem Visum bleiben können. Deswegen haben wir uns in den letzten Monaten damit beschäftigt, was wir ab Oktober machen werden. Im Grunde gab es nur zwei Möglichkeiten, entweder bleiben wir in Boston oder wir gehen zurück nach Europa. Die Möglickeiten engen sich natürlich noch weiter ein, weil Judith weiter in einem BSL4-Labor arbeiten möchte. Als wir im September in Deutschland waren, haben wir uns mit dem stellvertretenden Leiter des Robert-Koch-Institut (RKI) getroffen und uns wurde gesagt, dass bald Stellen ausgeschrieben werden. Das ist bis zum heutigen Tag nicht geschehen. Gleichzeitig bewegen sich die Dinge in Boston. Die Risikobewertung ist fertig und geht nun zu Gericht. Das erste von zwei Gerichtsverfahren soll im Sommer abgeschlossen sein. Ausserdem wird auch nun endlich das Coating des Labors erneuert. Daher glauben wir dass Boston im Moment die beste Option für uns ist, da auch für mich eine Auswahl an Biotech-Firmen vorhanden ist um Arbeit zu finden. Weil uns die Zeit auf unserem derzeitigen Visum ausgeht, haben wir uns entschieden nun Schritte einzuleiten, um vorerst in den USA zu bleiben. Judith wird von Boston University ein anderes Arbeitsvisum bekommen und ich bewerbe mich zur Zeit auf Stellen in der Pharmaindustrie. Wenn das nicht klappt, gibt es noch die Möglichkeit am MIT zu bleiben und von dort mein eigenes Arbeitsvisum zu bekommen.

Nun da wir also hier bleiben, haben wir uns entschieden, umzuziehen, da uns so einige Kleinigkeiten an unserer Wohnung langsam doch nerven. Wir haben uns also ab und an mal nach einer Wohnung umgesehen und auch prompt eine passende gefunden. Sie ist etwa gleich gross wie unsere Alte, aber weitaus schöner und vor 2 Jahren komplett renoviert worden. Sie ist nicht mehr in Brighton, sondern nun in Quincy, was Judiths Weg zur Arbeit um 20 bis 30 Minuten verkürzt, da in letzter Zeit der Verkehr immer schlimmer geworden ist. Für mich bleibt es zum MIT etwa gleichweit, eventuell aber auch etwas kürzer und immer noch kein Umsteigen nötig. Die Wohnung ist ebenfalls in einem Zweifamilienhaus, aber diesmal werden wir in der ersten Etage wohnen. Wir werden also in einem Monat von Brighton nach Quincy umziehen. Und wer uns besuchen kommt, hat auch einen Bonus: wir wohnen dann nur 5 Minuten vom Strand entfernt! Hier die Bilder aus der Wohnungsanzeige:

Blizzard Nemo

So einige Wettervorhersagen in der Vergangenheit waren schon falsch, aber diesmal war die Vorhersage, dass wir einen richtigen Sturm mit Unmengen Schnee bekommen, richtig! Freitag morgen fing es an leicht zu schneien, mittags kam dann Wind dazu und der Schnee wurde stärker. Ab Nachmittags fuhren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr und der Gouverneur hat für ganz Massachusetts einen „travel ban“ verhängt, man war also nicht erlaubt mit dem Auto zu fahren, ausser man war z.B. Feuerwehrmann oder Angestellter im Krankenhaus und musste zum Notdienst fahren. Dadurch wollten sie erreichen, dass keine Leute in ihren Autos festsitzen über Nacht. Es scheint auch wohl funktioniert zu haben, in den Nachrichten hiess es immer, dass fast niemand unterwegs auf den Strassen war. Spät abends wurde es dann schon Blizzard-Bedingungen, viel Wind und Schnee, da wollte man echt nicht draussen sein. Bei uns war aber alles ok, keine Stromausfälle oder so und das meiste des Sturms haben wir „verschlafen“ ;). Morgens fiel dann immer noch Schnee, aber so gegen 11 Uhr war dann alles vorbei, nur noch etwas winding. Da fing dann für uns aber die Arbeit erst an … da wir morgen Skifahren wollen, mussten wir wohl oder übel unser Auto freischauffeln. Da so heftige Winde waren, hatte es der Schnee sogar bis auf unsere Terasse geschafft und wir mussten schon dort mit unserer Nachbarin beginnen uns freizugraben. Nach 45 Minuten hatten wir es dann durch die Schneeberge bis zur Strasse geschafft …. die noch nicht völlig geräumt war, aber das Auto musste trotzdem freigelegt werden. Also gings fleissig ans Schaufeln und 2h 15 Minuten später, hatten wir das Auto freibekommen … oder vielmehr eine Ausfahrt aus dem Schnee gebuddelt, so dass wir rausfahren konnten. Haben nun unsere eigene Schneegarage 😉 . Kurz danach kam dann auch ein offizieller Schneeräumer für die Strasse, so dass wir Teile gleich wieder schaufeln durften …. Haben dann noch den Nachbarn geholfen, die mit ihrem Snowblower unsere Einfahrt auch freigelegt hatten (zumindest den Strassenteil). Unsere Nachbarin wird morgen ihr Auto vom Ende der Einfahrt „befreien“. Nun merken wir das ganze Geschaufel auch ordentlich in unserem Muskeln, aber das wird uns nicht daran hindern, morgen den Neuschee beim Skifahren / Snowboarden zu geniessen! Hier mal Impressionen von dem Ganzen, wir haben auch Fotos auf Facebook gestellt.

Blizzard

Blizzard
Der erste Blizzard, den wir in Boston erlebt haben, hat uns ja vor 2 Jahren daran gehindert nach Deutschland zu fliegen, auch wenn der Schnee zum Skifahren damals hervorragend war. Daher sind wir heute gespannt, was von morgen bis Samstag abend passiert, denn alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir einen heftigen Scheesturm/Blizzard bekommen ! MIT hat offiziell geschlossen, der BU Medical Campus macht um 12 mittags zu und ab 3:30 nachmittags fahren keine oeffentlichen Verkehrsmittel mehr. Die Vorhersage sagt voraus, dass 16- 24 inch = 40 – 60 cm an Schnee fallen sollen. Hier mal die Wettervorhersage.
Heute war daher auch schon mal totales Verkehrschaos, wahrscheinlich haben viele Bostoner laenger gearbeitet, um morgen freinehmen zu koennen, und wir waren mitten drin, da wir noch einkaufen mussten. Da gabs auch einige leere Plaetze in den Regalen und Riesenschlangen an der Kasse, da ganz Boston eben noch einkaufen wollte.
Wir hoffen mal das viel Schnee kommt, da dieses Jahr doch eher wenig Schnee war. Ausserdem haben wir Tickets zum Skifahren am Sonntag in New Hampshire, da ist Neuschnee natuerlich super !!